Zurück zur Übersicht

(18.06.2018) Die Numismatische Kommission trauert um Dr. Karl-Josef Gilles (1950-2018)


(18.06.2018) Die Numismatische Kommission trauert um Dr. Karl-Josef Gilles (1950-2018)

Am 12. Mai 2018 verstarb Dr. Karl-Josef Gilles, langjähriger Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz in der Numismatischen Kommission. Ein Nachruf von seinem Nachfolger bei der NK, Dr. Ralf Fischer zu Cramburg

Nur kurz nach der Vollendung seines 68. Lebensjahres verstarb Karl-Josef Gilles am 12. Mai 2018. Der langjährige Leiter des Trierer Münzkabinettes und Bearbeiter des Trier Goldschatzes mag vielen von uns vornehmlich als Numismatiker in Erinnerung bleiben. Damit wäre sein umfassenderes Wirken aber allzu kurzsichtig beschrieben. Wer einen Schritt zurück tritt, erkennt in ihm auch den Archäologen, Historiker, und Lokalpolitiker, der insbesondere im Trierer Land aber auch weit darüber hinaus nicht zuletzt mit fast 400 Publikationen derart tiefe Spuren hinterlassen hat, dass sie ihn weit überdauern werden.



Karl-Josef Gilles kam am 1. Mai 1950 als zweiter Sohn des Justizbeamten Josef Gilles und seiner Ehefrau Margaretha (geb. Bohn) in Zell zur Welt. Dass sein Geburtsort nicht nur beanspruchen darf, als eine der größten Weinbaugemeinden der Mosel zu gelten, sondern zudem noch eine römische Gründung ist, mag man als doppeltes Omen für seine künftigen Forschungsschwerpunkte deuten dürfen. Nach dem Abitur am Cochemer Gymnasium (1970) leistete er seinen Wehrdienst bei der Fernmeldetruppe in Kastellaun ab.



Sein Studium der Vor- und Frühgeschichte, Alten Geschichte und Klassischen Archäologie begann er 1971 in Mainz und setzte es ab 1972 in Frankfurt/Main fort. Ein DAAD-Kurzstipendium erlaubte ihm einen Studienaufenthalt an der Universität in Tel Aviv und archäologische Forschungen mit der Arabah-Expedition im Sinai. 1978 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Dissertation zu den spätrömische Höhensiedlungen in Eifel und Hunsrück, die sich später auch unter Sondengängern einer Beliebtheit erfreuen sollte, auf die er allzu gerne verzichtet hätte.



Karl-Josef Gilles begann seine berufliche Laufbahn im August 1978 beim Rheinischen Landesmuseum Trier, dem er Zeit seines Berufslebens und auch als Mitglied sowie Schatzmeister des Förderkreises treu blieb. Er war dort zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ab 1986 als Kustos und seit 1989 als Oberkustos für die Archäologie der Römerzeit und des Frühmittelalters im Bezirk Trier zuständig. Er leitete dabei zahlreiche archäologische Grabungen in der Region, darunter in Mehring, Longuich und Kenn, bei denen u.a. diverse Heiligtümer, Höhenbefestigungen und Villen zutage traten.



Die Entdeckung von zwölf antiken Kelteranlagen an der Mosel und damit der Nachweis, dass die Römer dort in großem Umfang Weiß- und Rotwein anbauten, zählen zu seinen Verdiensten. Dadurch verhalf er auch Moselorten wie Piesport, Erden oder Graach zu größerer Bekanntheit. Überhaupt war der Weinbau ein Schwerpunkt seiner Forschungen, die nicht ohne entsprechende Würdigung blieben. So erhielt er 1996 den Winninger Weinpreis und war seit 2000 Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für die Geschichte des Weines. In seinem populärsten, in vier Auflagen gedruckten Werk setzte er der Moseltalbahn ein Denkmal, jenem legendären „Saufbähnchen“, welches bis 1962 zwischen Trier und Bullay pendelte.



Auch seine Gesamtleistungen auf dem Gebiet der Archäologie fanden die angemessene Anerkennung. 1987 wurde er zunächst korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. Von 1990 bis 1999 nahm er einen Lehrauftrag an der Universität Trier im Fach Alte Geschichte an, den er wegen seiner kommunalpolitischen Verpflichtungen ruhen lassen musste. Von 1993-1997 war er Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Römische Archäologie“ der deutschen Altertumsverbände. Ebenso wie die Forschung selbst war es ihm eine Herzensangelegenheit, die gewonnen Erkenntnisse auch nachhaltig und publikumswirksam zu vermitteln. Dabei war er sich auch nicht zu schade, etwa in der Toga gewandet einen Archäologiepfad zu eröffnen.



Für uns steht naturgemäß das Wirken auf dem Gebiet der Numismatik im Zentrum des Interesses und der Erinnerung. Karl-Josef Gilles wurde 1992 Leiter des Trierer Münzkabinetts und vertrat von da an auch das Land Rheinland-Pfalz als Deputierter in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Nach den Amtszeiten von Wolfgang Binsfeld (1973-1992), Erich Gose (1961-1971) sowie Wilhelm Diepenbach (1950-1961) konnte er nach 1964 und 1979 die Kommission 2004 zum dritten Mal zu einer Jahreshauptversammlung nach Rheinland-Pfalz einladen.



Von 1998-2010 war er auch stellvertretender Vorsitzender der Trierer Münzfreunde e.V. und dort maßgeblich daran beteiligt, dass der Verein nach dem plötzlichen Tod des damaligen Vorsitzenden bestehen blieb und sich konsolidieren konnte. Zu den Höhepunkten seiner Tätigkeit zählte neben der inhaltlichen Arbeit die Organisation des Rheinischen Münztages und des 40jährigen Vereinsjubiläums (2004).



Karl-Josef Gilles hat die numismatische Literatur u.a. um wesentliche Beiträge zum Münzwesen der Treverer, der früh- und hochmittelalterliche Münzprägung in Trier und auch detaillierte Fundregesten bereichert. Vor allem aber wird sein Name stets untrennbar mit dem 1993 entdeckten Trierer Goldmünzenschatz verbunden bleiben, der mit 2650 Aurei und einem Gesamtgewicht von rund 18,5 Kilogramm Gold der größte Hortfund von Goldprägungen der römischen Kaiserzeit bleibt. Es ist vor allem sein Verdienst, dass der unter abenteuerlichen Umständen entdeckte und in alle Winde verstreute Schatz zum großen Teil wieder vereint werden konnte. Er bleibt bis heute die herausragende Attraktion und Publikumsmagnet des Trierer Landesmuseums. Seine in langen Jahren akribisch erarbeitete Fundpublikation zählt zu den Standardwerken des Fachs.



Mit großer Leidenschaft setzte Karl-Josef Gilles sich auch für seinen Stadtteil Filsch ein. Bei seiner Wahl zum Ortsvorsteher (1999) war er mit 49 Jahren der jüngste der 19 Amtskollegen und der einzige der FDP. Nach seiner mit großer Mehrheit erfolgten Direktwahl war er insgesamt fast 20 Jahre im Amt. In dieser Ära geht u.a. die Veröffentlichung der Ortschronik (2003) ebenso maßgeblich auf ihn als Initiator (und Autor) zurück, wie die Renovierung der Kulturscheune und der Bau der Kita. Er war zudem auch Gründungsmitglied und Vorsitzender des örtlichen Heimat- und Kulturvereins.



Von 2004  bis 2014 bekleidete er das Mandat eines Trierer Stadtrates, von 2010-2014 als Fraktionsvorsitzender und zeitweilig stellvertretender Kreisvorsitzender seiner Partei. Er engagierte sich dabei in zahlreichen Ausschüssen und setze einen Schwerpunkt auf die Stadt- und Regionalplanung, die Stadtentwicklung und die Kulturförderung.



Auch nachdem er 2015 in den Ruhestand getreten war und die ihm gewidmete  470 Seiten starke Festschrift des Landesmuseums in Händen halten konnte, dachte er nicht ans Aufhören. Er plante diverse ergänzte Neuauflagen seiner Werke, die Bearbeitung antiker Fundmünzen für die Liebenstein-Gesellschaft und schloss auch nicht aus, bei der Wahl 2019 erneut seinen Hut in den Ring zu werfen. Ein ungerechtes Schicksal hat ihm dies verwehrt.



Die Beisetzung fand am 22. Mai 2018 auf jenem Friedhof in Filsch statt, für dessen Erhalt er sich intensiv eingesetzt hatte. Zahlreiche Repräsentanten staatlicher und privater Organisationen waren vertreten, darunter auch solche der Numismatischen Kommission und der Liebenstein-Gesellschaft. Karl-Josef Gilles  hinterlässt seine Frau Veronika und die beiden Kinder Joachim und Constanze, die in ihrem “Kajo” stets Liebe, Stärke und Zuversicht fanden.

Copyright (C) 2013 Numismatische Kommission der Länder