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(21.12.2015) Dieter Raab (1938-2015)


(21.12.2015) Dieter Raab (1938-2015)

Am 20. Dezember 2015, kurz nach seinem 77. Geburtstag, verstarb Dieter Raab, der mehr als 30 Jahre der Vertreter des Deutschen Münzhandels in der Numismatischen Kommission war.
Bild: Dieter Raab bei einer Ausstellungsvorbereitung im Jahre 1989


Dieter Raab (1938-2015)



Am 20. Dezember 2015, nur wenige Tage nach seinem 77. Geburtstag, starb mit Dieter Raab einer der prominentesten deutschen Münzhändler und eines der am längsten gedienten Mitglieder der Numismatischen Kommission. Obwohl seit einiger Zeit von Krankheit heimgesucht, kam sein Tod doch völlig überraschend, zumal die jüngste medizinische Diagnose zu guten Hoffnungen berechtigte. Noch im Sommer plauderten wir über seinen 80. Geburtstag, zu dem ich ihm eine respektlose Laudatio androhte, was er in seiner vergnügt schmunzelnden Art gerne annahm.



Von 1972 bis 2006, fast ein Lebensalter, hatte Dieter Raab den Beisitz für den deutschen Münzhandel in der Numismatischen Kommission inne. Es ist ganz wesentlich sein Verdienst, dass es trotz mancher – angesichts der Interessenlagen – ganz natürlicher Meinungsverschiedenheiten in diesem Zeitraum ein von gegenseitigem Vertrauen geprägtes, fast beängstigend gutes Verhältnis zwischen Museumsnumismatik und Münzhandel gab. Er hat sein Amt in der Kommission ernst genommen, was sich auch darin zeigte, dass er in meiner Amtszeit als Vorsitzender (1993-1999) nach meiner Erinnerung kaum einmal eine Jahrestagung versäumte. Er gehörte zu den Kommissionären, die eher selten das Wort ergriffen, und wenn, dann – wie es seinem Wesen entsprach – um zur Entspannung der Diskussion beizutragen, nicht um mit großen Ideen zu glänzen. Er liebte es, im Kreise der akademischen und Museumsnumismatiker auf seine (scheinbare) „akademische Unterlegenheit“ hinzuweisen und nur wer genau hinschaute, konnte erkennen, wie er seine Schmeicheleien mit dem ihm eigenen verschmitzten Augenausdruck gewissermaßen konterkarierte. Seine besondere Beliebtheit bei allen Kommissionären resultierte auch aus seiner regelmäßigen Übernahme der mittäglichen oder abendlichen Restaurantrechnung während der Kommissionstagung. Den Dank dafür nahm er mit demselben verschmitzten Augenausdruck zur Kenntnis, wobei ich nie so genau wusste, wie weit er dabei selber vorher einen Kampf mit seiner schwäbischen Sparsamkeit ausfechten musste.



In seinem beruflichen Metier war Dieter Raab ungewöhnlich erfolgreich. Die von ihm 1967 übernommene renommierte Münzenhandlung Dr. Busso Peus in Frankfurt führte er als „Münzenhandlung Dr. Busso Peus Nachf.“ an die Spitze der Branche, wobei er selbst namentlich nur im Impressum der zahlreichen, von Jahr zu Jahr schwerer und gewichtiger werdenden Kataloge zu finden war. Im Hintergrund zu agieren und die eher versteckte Regie zu führen, bereitete ihm Vergnügen. Unvergesslich ist mir, wie wir gemeinsam die Sammlung Friedrich Stefan, eine Spezialsammlung völkerwanderungszeitlicher Münzen, 1993 aus der Schweiz nach Berlin holten und diese größte Erwerbung des Berliner Münzkabinetts seit der Kaiserzeit mit einer seit Jahrzehnten in der deutschen Museumslandschaft nicht mehr gesehenen Dublettenauktion mitfinanzierten. Das war alles andere als das Wandeln auf ausgetretenen Pfaden!



Als Dieter Raab 2007 die Leitung der Münzenhandlung Dr. Busso Peus Nachf. an seinen Sohn Christoph übergab, hat er keinen Abschied von den Münzen genommen, wohl aber mehr Zeit für seine ihm in allen Lebenslagen eng zur Seite stehende Frau Lilo und seine drei Enkelsöhne gefunden. Er war beruflich wie privat ein glücklicher Mensch, der gerne lebte und auch zu leben wusste. Ein glückliches Schicksal hat ihm auch einen sanften Tod beschieden.



Bernd Kluge

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